Ausbildung

Ina Menzer machte die Auszubildenden der Caritas fit

Lernen von einer 17-fachen Weltmeisterin: Die Auszubildenden des Caritasverbandes Region Mönchengladbach kamen beim Training mit der ehemaligen Profiboxerin Ina Menzer ins Schwitzen. Und sie erfuhren, wie sie zum Leistungssportler im Alltag werden.

Ina Menzer sieht alles. Und jetzt gerade sieht sie, dass Gianluca Pahlow und Janis Pape mitten im Training eine Pause einlegen. „Wieso machen die Männer nix?“, ruft Menzer. „Das ist ja wie zu Hause.“ Als sie zu den beiden geht, setzt Janis zu einer Entschuldigung an: „Ich kann nicht mehr“, sagt der angehende Altenpfleger, „hab keine Ausdauer.“ Die ehemalige Profisportlerin lächelt ihn an: „Tut dir was weh?“ – „Nö“, sagt Janis. – „Dann zieh die Handschuhe wieder an“, erwidert Menzer freundlich, aber sehr bestimmt. 

Workshop mit Boxweltmeisterin Ina Menzer

Immer auf die Abwehr achten: Mit Ina Menzer (Mitte) trainierten die Auszubildenden des Caritasverbandes die „Grundschule des Boxens“ – und hatten viel Spaß dabei.

Grundschule des Boxens

Ina Menzer. 17-fache ehemalige Boxweltmeisterin. 32 Profi-Kämpfe, 31 Siege. Geboren 1980 in Kasachstan, 1990 mit ihrer Familie als Aussiedlerin nach Deutschland gekommen. Aufgewachsen in Mönchengladbach, hier begann sie als Jugendliche mit dem Boxen. Seit vielen Jahren lebt die heute 39-Jährige mit ihrem Mann Denis Moos in Hamburg. Auf Einladung des Caritasverbandes Region Mönchengladbach ist sie für einen Tag zurück in ihre ehemalige Heimat gekommen. In einem Workshop bringt sie den Auszubildenden der Caritas spielerisch die „Grundschule des Boxens“ bei und trainiert mit ihnen im Wasserwerk Helenabrunn des Energieversorgers NEW. Zudem vermittelt sie den jungen Menschen und ihren Praxisanleitern in einem Vortrag, „wie Sie zum Leistungssportler im Alltag werden“.

Mehr als 50 Frauen und Männer absolvieren beim Caritasverband Region Mönchengladbach eine Ausbildung, berichtet Geschäftsführer Frank Polixa, als er die Teilnehmer zu der „ganz besonderen Veranstaltung“ begrüßt, die eingebettet sei in die betriebliche Gesundheitsförderung des Verbandes. Bevor Polixa den Ring freigibt, verrät er, dass Ina Menzer einen Bezug zum Caritasverband hat: „Einer ihrer beiden jüngeren Brüder hat hier vor 15 Jahren seinen Zivildienst geleistet.“

 

"Ihr braucht ein klares Ziel"

Ina Menzer erzählt von ihrem Start in Deutschland („Das war ganz schwierig, weil ich die Sprache nicht beherrschte“), von ihrem ersten Profivertrag mit 23 („Von einem Tag auf den anderen änderte sich mein Leben“) und von dem Bild, das sie als junge Frau oft vor Augen hatte: „Eine große Arena, ein hell erleuchteter Boxring, eine andere Boxerin und ich, und zwischen uns steht der Ringrichter und hält meinen Arm hoch als Weltmeisterin.“ Früh habe sie gewusst: „Ich wollte die Beste sein.“ Daraus leitet sie ihre wichtigste Botschaft an ihre jungen Zuhörer ab: „Ihr braucht ein klares Ziel. Es gibt nichts Schlimmeres, als plan- und ziellos durchs Leben zu gehen.“

Genau das habe sie zunächst erlebt, nachdem sie 2013 ihre Boxkarriere beendet habe, sagt Menzer, die inzwischen als Speakerin und Personal Trainerin erfolgreich ist und zwei Kinder hat. Sie fordert ihre Zuhörer zu einer kleinen Übung auf: Jeweils eine Minute lang sollen sie aufschreiben, was sie in ihrem Leben unbedingt erreichen wollen und was auf keinen Fall eintreffen darf. Den Zettel kann jeder behalten. „Ersetzt so oft wie möglich die formulierten Ängste durch etwas Positives“, rät Menzer.

Nur einmal hat die Boxerin in ihrer Profikarriere verloren, 2010 war das, gegen die Kanadierin Jeannine Garside lief von Anfang nichts, am Ende war sie ihre drei Weltmeistertitel los. „Diese Niederlage hat mich drei Jahre gekostet, denn ich wollte unbedingt als Weltmeisterin die Boxbühne verlassen“, sagt sie. 2013 schaffte sie es: In ihrer Heimatstadt Mönchengladbach besiegte sie die Litauerin Goda Dailydaite und krönte sich in ihrem letzten Profikampf erneut zur Weltmeisterin. „Meine Niederlage von 2010 hat mich gelehrt, dass man niemals einen Gegner unterschätzen und sich nicht auf seinen Erfolgen ausruhen darf“, erklärt sie den Auszubildenden des Caritasverbandes. Aus ihren Erfolgen leitet sie einen Rat für die jungen Menschen ab: „Lasst euch von niemandem erzählen, ihr könntet etwas nicht erreichen.“

"Morgen spür' ich jeden Muskel"

Dann kommen die Auszubildenden ins Schwitzen. Laufen auf der Stelle, Gymnastik, Partnerarbeit, Übungen zur Reaktionsschnelligkeit und verschiedene Schlagtechniken – viele geraten außer Atem, alle haben Spaß. Ina Menzer erklärt, korrigiert, motiviert, treibt an: „Gebt alles!“ Genau das macht auch Pia-Ramona Kliebe-Peerlings, die ihre Ausbildung im ambulanten Pflegedienst absolviert und kurz vor ihrer Abschlussprüfung steht. „Es war anstrengend und schön – ich werde morgen jeden Muskel spüren“, lacht sie am Ende. Das sieht auch Eveline Fischer so. Die 36-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin und arbeitet im Caritaszentrum Rheydt. „Ina Menzer ist nicht nur total sympathisch, ich finde es auch super, dass sie ihre Erfahrungen mit uns teilt“, erklärt sie.

Auch Janis Pape, der sich nach Menzers unmissverständlicher Aufforderung natürlich die Handschuhe wieder angezogen hatte, nimmt viel von dem Nachmittag mit: „Eine tolle Erfahrung. Disziplin, Ruhe, Durchhaltevermögen – all das brauche ich auch im Job“, sagt der 25-Jährige.

Gruppenbild der Workshop-Teilnehmer mit Ina Menzer

Gruppenbild mit einer 17-fachen Boxweltmeisterin: Von der Begegnung mit Ina Menzer nahmen die Auszubildenden und Praxisanleiter des Caritasverbandes viel mit.



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